„Wo ist die Meldung über die Verhaftung?“ – Genosse Kurt Funk, „trotzkistische Wühlarbeit“ und die kompetenten Organe: Ein neues Buch über „Herbert Wehner – Moskau 1937“


Sitz des sowjetischen Geheimdienstes; Bild: A. Savin; Lizenz: CC-by-sa 3.0

Von Hans-Werner Klausen

„Seit 1929 lebe ich mit Kurt zusammen – und ich kenne ihn nur so – er lebte buchstäblich nur für die Partei, wirklich nur für die Partei. Er arbeitete Tag und Nacht. Sonntag gab es bei uns nie. Er liebte die Partei. Er arbeitete freudig für die Partei. Kurt ohne Partei – unvorstellbar.“ So beschrieb Charlotte Treuber, die Moskauer Lebensgefährtin des KPD-Spitzengenossen Kurt Funk, der ab 1946 unter seinem bürgerlichen Namen Herbert Wehner eine steile Karriere machen sollte, im Jahre 1942 in einem Brief an Georgi Dimitroff den späteren „Zuchtmeister“ der SPD. Weiterlesen

Länderschacher wie auf dem Wiener Kongreß: August Thalheimer – Kommunist der ersten Stunde und Gegner der Potsdamer Beschlüsse

Von Hans-Werner Klausen

1. August Thalheimer über die Potsdamer Beschlüsse

Eine allgemein verbreitete Phrase ist die vom „deutschen Sonderweg“. Einen „deutschen Sonderweg“ gibt es allerdings tatsächlich, und das ist der Glaube „links“ und „national“ (damit ist nicht „chauvinistisch“ oder „rassistisch“ gemeint – Anmerkung für Esel) schlössen einander aus. Dieser „deutsche Sonderweg“ ist allerdings ein Holzweg und es gab nach dem Ende des NS-Staates viele Linke, die durchaus nicht auf dem Boden dieses Glaubenssatzes standen. Zu den Zeugnissen gegen das antinationale Dogma gehört die Broschüre „Die Potsdamer Beschlüsse. Eine marxistische Untersuchung der Deutschlandpolitik der Großmächte nach dem zweiten Weltkrieg“, die August Thalheimer im Sommer 1945 im kubanischen Exil schrieb und die anschließend in Deutschland illegal verbreitet wurde. Weiterlesen

Washingtons neuer Mann in Moskau – Wer ist Michael McFaul?


US-AUßenministerium; Bild: AgnosticPreachersKid; Lizenz: CC BY-SA 3.0

Von Hans-Werner Klausen

Die Botschaft der USA in Moskau hat seit kurzer Zeit einen neuen Chef : Michael McFaul, der am 14. Januar 2012 in Rußland eintraf. Wie die „New York Times“ am 23. Januar berichtete, empfingen russische Medien Washington neuen Mann an der Moskwa nicht gerade mit Begeisterung. Ein Kommentator des russischen Fernsehens argwöhnte am Ende des zweiten vollen Arbeitstages des neuen Botschafters, McFaul sei nach Moskau entsandt worden, um in Rußland eine „Revolution“ zu entfachen. Ein Kommentator der Tageszeitung „Iswestija“ bezeichnete McFauls Ernennung einen Tag später als eine
Rückkehr zum 18. Jahrhundert, als die Teilnahme eines Botschafters an Intrigen und Verschwörungen allgemein üblich war. Weiterlesen

Von der Kulturrevolution zur Entmaoisierung – Zum Tode von Zhang Chunqiao

Von Hans-Werner Klausen

Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, starb am 21. April 2005 Zhang Chunqiao, das vorletzte Mitglied der „Viererbande“ um Maos Ehefrau Jiang Qing. Der 1917 geborene Zhang Chunqiao (er war seit 1940 Mitglied der Kommunistischen Partei und diente in Partisaneneinheiten hinter den japanischen Linien), bis zu seiner Verhaftung im Jahre 1976 stellvertretender Ministerpräsident der VR China, Parteichef und Bürgermeister von Shanghai, sowie Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros, und während der „Kulturrevolution“ stellvertretender Vorsitzender der „Gruppe für Kulturrevolution beim ZK“ war 1981 im Prozeß gegen die „konterrevolutionären Cliquen um Jiang Qing und Lin Biao“ zum Tode (mit Aussetzung der Strafe) verurteilt worden, zwei Jahre später wurde das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt. Zhang war 1998 aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen worden. Damit lebt von den Mitgliedern der „Viererbande“ nur noch Yao Wenyuan; Jiang Qing starb 1991, Wang Hongwen 1992. Weiterlesen

Von der Nomenklatura zum Liberalismus – Zum Tode von Alexander Jakowlew, Schutzpatron der Glasnost

Von Hans-Werner Klausen

„Im Großen und Ganzen hat mich der Marxismus nie interessiert“. Dieser Satz aus den Memoiren des am 18. Oktober 2005 verstorbenen Gorbatschow-Vertrauten Alexander Jakowlew wird auf manchen befremdlich wirken, denn dessen Autor gehörte unter Chruschtschow und Breshnew viele Jahre und – nach zehnjähriger Unterbrechung – dann wieder unter Gorbatschow zu den Verwaltern des „Marxismus-Leninismus“. Weiterlesen

Arbeiterklasse und Nation – Die maoistischen „K-Gruppen“ der 70er Jahre

Von Hans-Werner Klausen

Die maoistischen K-Gruppen (ML-Gruppen) der siebziger Jahre waren im wesentlichen Zerfallsprodukte der antiautoritären Studentenbewegung. Die K-Gruppen sahen mindestens bis 1976 (einige auch danach) ihre eigene Theorie und Praxis als Anwendung des „Marxismus-Leninismus/Maotsetungideen“ auf die deutschen Verhältnisse und betrachteten das Gesellschaftssystem der VR China als vorbildlich. Dabei lehnten sich die KPD und die KPD/ML besonders eng an die politische Linie der KP Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens an, während der KBW und der KB mehr von den konkreten Bedingungen in Westdeutschland ausgingen. Die Anhänger der K-Gruppen bezeichneten sich selbst als „Marxisten-Leninisten“, von ihren linken Gegnern und von der bürgerlichen Presse wurden sie als „Maoisten“ oder „Chaoten“ bezeichnet. Allen K-Gruppen gemeinsam waren: Weiterlesen

Der Generalissimus und seine deutschen Fans

,Von Hans-Werner Klausen

Daß der Vater der Völker in Rußland zahlreiche Verehrer hat, ist bekannt. Unter diesen Verehrern sind nicht nur Marxisten-Leninisten, denn für viele Nationalrussen ist Stalin ein Symbol nationaler Größe. Was Trotzkisten, Titoisten, Eurokommunisten, Gorbatschowler und Salonsozialisten dem Woshd besonders übelnehmen – die Liquidierung der Volksfeinde mit Parteibuch, die Veränderungen in der Zusammensetzung der sowjetischen Führungsschicht, die Wendung vom nationalen Nihilismus zum Sowjetpatriotismus oder die Verbannung dekadenter („avantgardistischer“) Kunst aus der Öffentlichkeit – wird von russischen Patrioten eher als Verdienst Stalins angesehen. Weiterlesen

Die Partei der Übriggebliebenen – „Säuberungen“ und „Entstalinisierung“ im Spiegel russischer Dokumentenpublikationen

Von Hans-Werner Klausen

1. Vom Tode Stalins bis zum XX. Parteitag (1953 – 1956)

Seit dem Zusammnbruch der SU und besonders seit dem Rücktritt Jelzins wird im Westen oft über die Unzugänglichkeit der früheren sowjetischen Archive geklagt. Dabei wird (vermutlich mehr aus Dummheit statt aus Böswilligkeit) oft übersehen, daß viele Dokumente zur Geschichte der KPdSU und des „Sowjet“staates (in Rußland gab es spätestens seit 1921 keine Räte mehr, sondern nur noch Rätekulissen) bereits veröffentlicht sind, daß die düsteren Kapitel dabei keineswegs ausgespart wurden (so erschienen in den neunziger Jahren Dokumentenbände u. a. über den Gulag, Katyn, die Kollektivierung und den Kronstädter Aufstand) , und daß die Veröffentlichungen unter Putin fortgesetzt werden. Besonders verdienstvoll sind hierbei die Tätigkeit der Gesellschaft „Memorial“, sowie der Jakowlew-Stiftung. Weiterlesen

Ein weichgezeichneter Trotzki – Zur Trotzki-Biographie von Pierre Broué

Von Hans-Werner Klausen

Fünfzehn Jahre nach dem Erscheinen der französischen Originalausgabe der Trotzki-Biographie von Pierre Broué erschien Ende 2003 die deutsche Übersetzung. Dem Verfasser ist es gut gelungen, den westlichen Forschungsstand vor der teilweisen Öffnung der sowjetischen Archive zusammenzufassen; daher ist es ein sehr lesenswertes Buch. Das Buch hat aber auch noch einen anderen Zweck – einen Trotzki zu präsentieren, der auf möglichst weite Kreise der linksliberalen und sozialdemokratischen Öffentlichkeit im Westen, auf osteuropäische Dissidenten und auf intellektuelle „Perestroikisten“ in der Sowjetunion sympathisch wirken soll. Weiterlesen

Prominente Vertreter des US-amerikanischen Neokonservatismus (Auswahl)

von Hans-Werner Klausen

Prominente Vertreter des US-amerikanischen Neokonservatismus (Auswahl)
Weiterlesen