Ernst Engelberg 1989 : ein Historiker aus der DDR gegen „moralischen Masochismus und nationalen Nihilismus“

Vorbemerkung: Ernst Engelberg (1909 – 2010) war einer der bedeutendsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts. Durch seine zweibändige Bismarck-Biographie (1985 und 1990 gleichzeitig im Ost-Berliner Akademie Verlag und im West-Berliner Siedler-Verlag veröffentlicht) wurde er auch außerhalb der DDR einem breiten Lesepublikum bekannt. Auf einem Ehrenkolloquium aus Anlaß seines 80. Geburtstages sagte der Jubilar im April 1989 diese bemerkenswerten Worte: Weiterlesen

Advertisements

„Sturmgeschütz des Antiimperialismus“: Zum Tode von Werner Pirker (1947-2014)

Werner Pirker starb mit 66 Jahren / Foto: Peter Becker; CC BY SA 2.0
Foto: Peter Becker; CC BY SA 2.0

Von Hans-Werner Klausen

Werner Pirker – langjähriger Stammautor und politischer Kommentator der Tageszeitung „Junge Welt“ – ist tot. „Völlig unerwartet“, wie seine Redaktion mitteilte, verstarb der 66jährige am vergangenen Mittwoch, dem 15. Januar 2014 in Berlin. Nur wenige Tage zuvor hatte Pirker dort an einer Konferenz und dem traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Gedenken teilgenommen. Weiterlesen

Zusammenschluß der Arbeiter und der Nation: Heinrich Laufenberg, Fritz Wolffheim und der Hamburger Nationalbolschewismus

Von Hans-Werner Klausen

Ausgangspunkt aller nationalbolschewistischen Gruppen und Zirkel in der Weimarer Republik war der Kampf gegen den Versailler Vertrag, den die Westmächte dem besiegten Deutschland 1919 diktiert hatten. Die deutschen Kommunisten teilten in der Beurteilung des Vertrages die Einschätzung Lenins: „Als Deutschland besiegt war, da schrie der Völkerbund, dessen Mitglieder gegen Deutschland gekämpft hatten, das sei ein Befreiungskrieg, ein demokratischer Krieg gewesen. Man zwang Deutschland einen Frieden auf, aber dieser Frieden war ein Frieden von Wucherern und Henkern, denn Deutschland und Österreich wurden ausgeplündert und zerstückelt. Man nahm diesen Ländern alle Mittel zum Leben, ließ die Kinder hungern und Hungers sterben. Was also ist der Versailler Vertrag? Ein ungeheuerlicher Raubfrieden, der dutzende Millionen Menschen, darunter die zivilisiertesten, zu Sklaven macht. Das ist kein Frieden, das sind Bedingungen, die einem wehrlosen Opfer von Räubern mit dem Messer in der Hand diktiert worden sind“ (zitiert nach Lenin, Sämtliche Werke, Band 25, Wien, Berlin 1930, Seite 520). Weiterlesen

Die andere Seite der Barrikade – Der „Schlageter-Kurs“ der KPD 1923

Von Hans-Werner Klausen

Im Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet, in Deutschland verschlechterte sich im Laufe des Jahres 1923 rapide die Lebenslage breiter Schichten des Volkes (Inflation), und so kam es zu einer schnellen Radikalisierung sowohl in der Arbeiterklasse als auch in den Mittelschichten. Die Kommunisten erkannten, daß sie ihre Basis verbreitern mußten, wenn sie in der Revolution die Führung übernehmen wollten. 1921 hatten sie mit der Taktik der „proletarischen Einheitsfront“ begonnen, um die Anhängerschaft der Sozialdemokraten und Freien Gewerkschaften für sich zu gewinnen. Weiterlesen

Zwischen Deutschland und Rußland – Zum 120. Geburtstag von Karl Radek

Von Hans-Werner Klausen

Vor 120 Jahren begann das Leben eines Mannes, der sowohl mit Deutschland als auch mit Rußland verbunden war, obwohl er weder Deutscher noch Russe war. Die Rede ist von Karl Radek, der seinerzeit einer der besten Publizisten in der deutschen und russischen Sprache war, obwohl er in seiner Aussprache den polnischen Akzent niemals los wurde. Die Urteile seiner Zeitgenossen über ihn waren höchst unterschiedlich. Weiterlesen

Der „deutsche Oktober“ fand nicht statt: Im Herbst 1923 scheiterte ein Revolutionsplan der KPD und entschied mit über den Aufstieg Stalins


Weimarer Republik; Bild: kgberger, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Von Hans-Werner Klausen

Das Jahr 1923 ist im historischen Gedächtnis vor allem mit dem Hitlerputsch, der Ruhrbesetzung und der Inflation verbunden. Fast vergessen ist, daß 1923 eine „deutsche Oktoberrevolution“ geplant war, die das Zentrum der Weltrevolution von Moskau nach Berlin verlagern sollte und für die sogar das Datum (9. November) bereits mehr oder weniger feststand. Auf diesen Versuch einer kommunistischen Revolution beziehen sich zwei neue Publikationen, die beide bereits eine eigene Geschichte hinter sich haben. Weiterlesen

Deutsche Kommunisten: Ein “Abweichler” schreibt über Ideale, Rituale und deren reale Entwicklung

Von Hans-Werner Klausen

Für die marxistisch-leninistische Parteigeschichtsschreibung der SED war er der Lieblingsfeind: der Mannheimer Kommunismusforscher Hermann Weber (Jahrgang 1928), der als „Renegat“ und ehemaliger Absolvent der SED-Parteihochschule seinem Forschungsgegenstand auf besondere Weise verbunden war und mit Sachkenntnis oft auf die „Gedächtnislöcher“ seiner Gegenseite hingewiesen hat. Wenn vor 1989 jemand gesagt hätte, der Dietz-Verlag würde einmal ein Buch Webers herausbringen, dann hätte man höchstens ein mitleidiges Lächeln geerntet. Weiterlesen

Parteitag der Davongekommenen: Vor 65 Jahren: XVIII. Parteitag der KPdSU – Bilanz der Säuberungen und Signale nach Berlin

Von Hans-Werner Klausen

Vom 10. – 21. März 1939 tagte in Moskau der XVIII. Parteitag der KPdSU. Der vorangegangene XVII. Parteitag (26. Januar – 10. Februar 1934) war in der offiziellen Propaganda als „Parteitag der Sieger“ (ein halbes Jahr vorher fand in Nürnberg der „Parteitag des Sieges“ statt) bezeichnet worden. Den XVIII. Parteitag könnte man als „Parteitag der Davongekommenen“ bezeichnen, denn seit 1936 hatten die „kompetenten Organe“ gründlich gearbeitet. Am Vorabend des XVIII. Parteitages waren von den 139 Mitgliedern und Kanidaten des alten ZK 32 noch in Freiheit. 5 Mitglieder und Kanidaten waren in der Berichtsperiode aus natürlichen Ursachen gestorben, Kirow war am 1. Dezember 1934 unter ungeklärten Umständen ermordet worden, 4 Mitglieder und Kanidaten hatten Selbstmord begangen, die übrigen waren von der „strafenden Hand des Sowjetvolkes“ zur Verantwortung gezogen worden. Von 1966 Delegierten des Parteitags von 1934 waren 1103 verhaftet und 848 erschossen worden. Weiterlesen

„Frankreich und England überfielen Deutschland“: Vor 65 Jahren: Stalin, Molotow und die Komintern über den Zweiten Weltkrieg – „Man kann die Ideologie des Hitlerismus annehmen oder ablehnen, das ist eine Sache der politischen Anschauungen“

Von Hans-Werner Klausen

Am Abend des 29. November 1939 sendete der Moskauer Rundfunk die Antwort Stalins auf die Frage eines Redakteurs der „Prawda“. Diese Antwort Stalins, die am 30. November 1939 in der „Prawda“ gedruckt wurde, war die erste öffentliche Äußerung des „Vaters der Völker“ seit dem XVIII. Parteitag der KPdSU im März 1939. In Deutschland ist dieses bemerkenswerte Interview Stalins nur wenig bekannt, denn sowohl die SED nach 1945 als auch die maoistisch-stalinistischen „K-Gruppen“ der siebziger Jahre in Westdeutschland hatten aus naheliegenden Gründen kein Interesse an der Verbreitung dieses Textes. Hier zunächst der Text des Stalin-Interviews; der deutsche Text ist wiedergegeben nach der Zeitschrift „Die Welt“ (deutschsprachige Wochenzeitschrift der Komintern von 1939 bis 1943, erschien in Stockholm) vom 7. Dezember 1939 (Nr. 14): Weiterlesen