Ernst Engelberg 1989 : ein Historiker aus der DDR gegen „moralischen Masochismus und nationalen Nihilismus“

Vorbemerkung: Ernst Engelberg (1909 – 2010) war einer der bedeutendsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts. Durch seine zweibändige Bismarck-Biographie (1985 und 1990 gleichzeitig im Ost-Berliner Akademie Verlag und im West-Berliner Siedler-Verlag veröffentlicht) wurde er auch außerhalb der DDR einem breiten Lesepublikum bekannt. Auf einem Ehrenkolloquium aus Anlaß seines 80. Geburtstages sagte der Jubilar im April 1989 diese bemerkenswerten Worte: Weiterlesen

Zusammenschluß der Arbeiter und der Nation: Heinrich Laufenberg, Fritz Wolffheim und der Hamburger Nationalbolschewismus

Von Hans-Werner Klausen

Ausgangspunkt aller nationalbolschewistischen Gruppen und Zirkel in der Weimarer Republik war der Kampf gegen den Versailler Vertrag, den die Westmächte dem besiegten Deutschland 1919 diktiert hatten. Die deutschen Kommunisten teilten in der Beurteilung des Vertrages die Einschätzung Lenins: „Als Deutschland besiegt war, da schrie der Völkerbund, dessen Mitglieder gegen Deutschland gekämpft hatten, das sei ein Befreiungskrieg, ein demokratischer Krieg gewesen. Man zwang Deutschland einen Frieden auf, aber dieser Frieden war ein Frieden von Wucherern und Henkern, denn Deutschland und Österreich wurden ausgeplündert und zerstückelt. Man nahm diesen Ländern alle Mittel zum Leben, ließ die Kinder hungern und Hungers sterben. Was also ist der Versailler Vertrag? Ein ungeheuerlicher Raubfrieden, der dutzende Millionen Menschen, darunter die zivilisiertesten, zu Sklaven macht. Das ist kein Frieden, das sind Bedingungen, die einem wehrlosen Opfer von Räubern mit dem Messer in der Hand diktiert worden sind“ (zitiert nach Lenin, Sämtliche Werke, Band 25, Wien, Berlin 1930, Seite 520). Weiterlesen

Die andere Seite der Barrikade – Der „Schlageter-Kurs“ der KPD 1923

Von Hans-Werner Klausen

Im Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet, in Deutschland verschlechterte sich im Laufe des Jahres 1923 rapide die Lebenslage breiter Schichten des Volkes (Inflation), und so kam es zu einer schnellen Radikalisierung sowohl in der Arbeiterklasse als auch in den Mittelschichten. Die Kommunisten erkannten, daß sie ihre Basis verbreitern mußten, wenn sie in der Revolution die Führung übernehmen wollten. 1921 hatten sie mit der Taktik der „proletarischen Einheitsfront“ begonnen, um die Anhängerschaft der Sozialdemokraten und Freien Gewerkschaften für sich zu gewinnen. Weiterlesen

Der „deutsche Oktober“ fand nicht statt: Im Herbst 1923 scheiterte ein Revolutionsplan der KPD und entschied mit über den Aufstieg Stalins


Weimarer Republik; Bild: kgberger, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Von Hans-Werner Klausen

Das Jahr 1923 ist im historischen Gedächtnis vor allem mit dem Hitlerputsch, der Ruhrbesetzung und der Inflation verbunden. Fast vergessen ist, daß 1923 eine „deutsche Oktoberrevolution“ geplant war, die das Zentrum der Weltrevolution von Moskau nach Berlin verlagern sollte und für die sogar das Datum (9. November) bereits mehr oder weniger feststand. Auf diesen Versuch einer kommunistischen Revolution beziehen sich zwei neue Publikationen, die beide bereits eine eigene Geschichte hinter sich haben. Weiterlesen

Deutsche Kommunisten: Ein “Abweichler” schreibt über Ideale, Rituale und deren reale Entwicklung

Von Hans-Werner Klausen

Für die marxistisch-leninistische Parteigeschichtsschreibung der SED war er der Lieblingsfeind: der Mannheimer Kommunismusforscher Hermann Weber (Jahrgang 1928), der als „Renegat“ und ehemaliger Absolvent der SED-Parteihochschule seinem Forschungsgegenstand auf besondere Weise verbunden war und mit Sachkenntnis oft auf die „Gedächtnislöcher“ seiner Gegenseite hingewiesen hat. Wenn vor 1989 jemand gesagt hätte, der Dietz-Verlag würde einmal ein Buch Webers herausbringen, dann hätte man höchstens ein mitleidiges Lächeln geerntet. Weiterlesen

„Wo ist die Meldung über die Verhaftung?“ – Genosse Kurt Funk, „trotzkistische Wühlarbeit“ und die kompetenten Organe: Ein neues Buch über „Herbert Wehner – Moskau 1937“


Sitz des sowjetischen Geheimdienstes; Bild: A. Savin; Lizenz: CC-by-sa 3.0

Von Hans-Werner Klausen

„Seit 1929 lebe ich mit Kurt zusammen – und ich kenne ihn nur so – er lebte buchstäblich nur für die Partei, wirklich nur für die Partei. Er arbeitete Tag und Nacht. Sonntag gab es bei uns nie. Er liebte die Partei. Er arbeitete freudig für die Partei. Kurt ohne Partei – unvorstellbar.“ So beschrieb Charlotte Treuber, die Moskauer Lebensgefährtin des KPD-Spitzengenossen Kurt Funk, der ab 1946 unter seinem bürgerlichen Namen Herbert Wehner eine steile Karriere machen sollte, im Jahre 1942 in einem Brief an Georgi Dimitroff den späteren „Zuchtmeister“ der SPD. Weiterlesen