Zwischen Deutschland und Rußland – Zum 120. Geburtstag von Karl Radek

Von Hans-Werner Klausen

Vor 120 Jahren begann das Leben eines Mannes, der sowohl mit Deutschland als auch mit Rußland verbunden war, obwohl er weder Deutscher noch Russe war. Die Rede ist von Karl Radek, der seinerzeit einer der besten Publizisten in der deutschen und russischen Sprache war, obwohl er in seiner Aussprache den polnischen Akzent niemals los wurde. Die Urteile seiner Zeitgenossen über ihn waren höchst unterschiedlich. Weiterlesen

Parteitag der Davongekommenen: Vor 65 Jahren: XVIII. Parteitag der KPdSU – Bilanz der Säuberungen und Signale nach Berlin

Von Hans-Werner Klausen

Vom 10. – 21. März 1939 tagte in Moskau der XVIII. Parteitag der KPdSU. Der vorangegangene XVII. Parteitag (26. Januar – 10. Februar 1934) war in der offiziellen Propaganda als „Parteitag der Sieger“ (ein halbes Jahr vorher fand in Nürnberg der „Parteitag des Sieges“ statt) bezeichnet worden. Den XVIII. Parteitag könnte man als „Parteitag der Davongekommenen“ bezeichnen, denn seit 1936 hatten die „kompetenten Organe“ gründlich gearbeitet. Am Vorabend des XVIII. Parteitages waren von den 139 Mitgliedern und Kandidaten des alten ZK 32 noch in Freiheit. 5 Mitglieder und Kandidaten waren in der Berichtsperiode aus natürlichen Ursachen gestorben, Kirow war am 1. Dezember 1934 unter ungeklärten Umständen ermordet worden, 4 Mitglieder und Kandidaten hatten Selbstmord begangen, die übrigen waren von der „strafenden Hand des Sowjetvolkes“ zur Verantwortung gezogen worden. Von 1966 Delegierten des Parteitags von 1934 waren 1103 verhaftet und 848 erschossen worden. Weiterlesen

Von der Nomenklatura zum Liberalismus – Zum Tode von Alexander Jakowlew, Schutzpatron der Glasnost

Von Hans-Werner Klausen

„Im Großen und Ganzen hat mich der Marxismus nie interessiert“. Dieser Satz aus den Memoiren des am 18. Oktober 2005 verstorbenen Gorbatschow-Vertrauten Alexander Jakowlew wird auf manchen befremdlich wirken, denn dessen Autor gehörte unter Chruschtschow und Breshnew viele Jahre und – nach zehnjähriger Unterbrechung – dann wieder unter Gorbatschow zu den Verwaltern des „Marxismus-Leninismus“. Weiterlesen

Die Partei der Übriggebliebenen – „Säuberungen“ und „Entstalinisierung“ im Spiegel russischer Dokumentenpublikationen

Von Hans-Werner Klausen

1. Vom Tode Stalins bis zum XX. Parteitag (1953 – 1956)

Seit dem Zusammnbruch der SU und besonders seit dem Rücktritt Jelzins wird im Westen oft über die Unzugänglichkeit der früheren sowjetischen Archive geklagt. Dabei wird (vermutlich mehr aus Dummheit statt aus Böswilligkeit) oft übersehen, daß viele Dokumente zur Geschichte der KPdSU und des „Sowjet“staates (in Rußland gab es spätestens seit 1921 keine Räte mehr, sondern nur noch Rätekulissen) bereits veröffentlicht sind, daß die düsteren Kapitel dabei keineswegs ausgespart wurden (so erschienen in den neunziger Jahren Dokumentenbände u. a. über den Gulag, Katyn, die Kollektivierung und den Kronstädter Aufstand) , und daß die Veröffentlichungen unter Putin fortgesetzt werden. Besonders verdienstvoll sind hierbei die Tätigkeit der Gesellschaft „Memorial“, sowie der Jakowlew-Stiftung. Weiterlesen