„Sturmgeschütz des Antiimperialismus“: Zum Tode von Werner Pirker (1947-2014)

Werner Pirker starb mit 66 Jahren / Foto: Peter Becker; CC BY SA 2.0
Foto: Peter Becker; CC BY SA 2.0

Von Hans-Werner Klausen

Werner Pirker – langjähriger Stammautor und politischer Kommentator der Tageszeitung „Junge Welt“ – ist tot. „Völlig unerwartet“, wie seine Redaktion mitteilte, verstarb der 66jährige am vergangenen Mittwoch, dem 15. Januar 2014 in Berlin. Nur wenige Tage zuvor hatte Pirker dort an einer Konferenz und dem traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Gedenken teilgenommen.

Der in Kärnten geborene Werner Pirker stammte politisch aus der alten Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Ein anständiger Kommunist alten Schlages, wie sie in unseren Breiten immer seltener werden, und ein glänzender Polemiker in der Tradition seines großen Landsmannes Karl Kraus. Seit den 1970er Jahren arbeitete er zunächst als Sportredakteur bei der KPÖ-Tageszeitung „Volksstimme“, war für das Blatt um 1990 Korrespondent in Moskau. Für die „Junge Welt“ schrieb Pirker seit den 1990er Jahren hauptsächlich über außenpolitische Themen und die Entwicklung der PDS/Linkspartei/Die Linke.

Werner Pirker hat als Polemiker nur wenige Male danebengehauen und meistens voll ins Schwarze getroffen. Nicht unbedingt zur Freude jener einflußreichen Leute aus den Reihen der Linken, die aus dieser Partei gegen den Widerstand von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht einen schlechten Aufguss von SPD und Grünen machen wollen und das Wort „Imperialismus“ höchstens noch im Flüsterton in den Mund nehmen. Noch am 11. Januar 2014 hatte die „Junge Welt“ einen Kommentar von Pirker unter dem Titel „Linke Ministerriege“ veröffentlicht, in dem er den Pro-EU-Kurs der Parteiführung und die Abkehr vom Antiimperialismus in gewohnter Schärfe und mit treffenden Worten geißelte. Pirkers alter Bekannter Jürgen Elsässer nannte den streitbaren Kommentator „das Sturmgeschütz des Antiimperialismus“.

Werner Pirker verfocht in seiner Heimat den in der KPÖ seit Mitte der 1930er Jahre traditionellen Austropatriotismus gegen den nationalen Nihilismus der Postachtundsechziger-Linken, der sich seit dem Zusammenbruch des Ostblocksozialismus auch in der KPÖ immer mehr breitmachte. Von seiner alten Partei, die sich nach 1990 allmählich sozialdemokratisierte und seit längerer Zeit auf Pro-EU-Kurs ist, hatte sich Werner Pirker abgewandt. 2013 beteiligte sich Pirker an Versuchen, eine neue traditionskommunistische Partei der Arbeit Österreichs als kommunistische Alternative zur KPÖ aufzubauen.

Pirker war einer der drei Lieblingsautoren des Autoren dieser Zeilen aus der „Jungen Welt“, neben Rainer Rupp und Knut Mellenthin). Für seine Zeitung, die sich als einzige deutsche Tageszeitung der freiwilligen Gleichschaltung im außenpolitischen Teil bisher standhaft verweigert, ist sein Tod ein großer Verlust. Die von ihm hinterlassene Lücke wird dort vorläufig nicht zu schließen sein.

zuerst veröffenrlicht in der Berliner Umschau, vom 17. Januar 2014