Länderschacher wie auf dem Wiener Kongreß: August Thalheimer – Kommunist der ersten Stunde und Gegner der Potsdamer Beschlüsse

Von Hans-Werner Klausen

1. August Thalheimer über die Potsdamer Beschlüsse

Eine allgemein verbreitete Phrase ist die vom „deutschen Sonderweg“. Einen „deutschen Sonderweg“ gibt es allerdings tatsächlich, und das ist der Glaube „links“ und „national“ (damit ist nicht „chauvinistisch“ oder „rassistisch“ gemeint – Anmerkung für Esel) schlössen einander aus. Dieser „deutsche Sonderweg“ ist allerdings ein Holzweg und es gab nach dem Ende des NS-Staates viele Linke, die durchaus nicht auf dem Boden dieses Glaubenssatzes standen. Zu den Zeugnissen gegen das antinationale Dogma gehört die Broschüre „Die Potsdamer Beschlüsse. Eine marxistische Untersuchung der Deutschlandpolitik der Großmächte nach dem zweiten Weltkrieg“, die August Thalheimer im Sommer 1945 im kubanischen Exil schrieb und die anschließend in Deutschland illegal verbreitet wurde. Weiterlesen

Arbeiterklasse und Nation – Die maoistischen „K-Gruppen“ der 70er Jahre

Von Hans-Werner Klausen

Die maoistischen K-Gruppen (ML-Gruppen) der siebziger Jahre waren im wesentlichen Zerfallsprodukte der antiautoritären Studentenbewegung. Die K-Gruppen sahen mindestens bis 1976 (einige auch danach) ihre eigene Theorie und Praxis als Anwendung des „Marxismus-Leninismus/Maotsetungideen“ auf die deutschen Verhältnisse und betrachteten das Gesellschaftssystem der VR China als vorbildlich. Dabei lehnten sich die KPD und die KPD/ML besonders eng an die politische Linie der KP Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens an, während der KBW und der KB mehr von den konkreten Bedingungen in Westdeutschland ausgingen. Die Anhänger der K-Gruppen bezeichneten sich selbst als „Marxisten-Leninisten“, von ihren linken Gegnern und von der bürgerlichen Presse wurden sie als „Maoisten“ oder „Chaoten“ bezeichnet. Allen K-Gruppen gemeinsam waren: Weiterlesen

Der Generalissimus und seine deutschen Fans

,Von Hans-Werner Klausen

Daß der Vater der Völker in Rußland zahlreiche Verehrer hat, ist bekannt. Unter diesen Verehrern sind nicht nur Marxisten-Leninisten, denn für viele Nationalrussen ist Stalin ein Symbol nationaler Größe. Was Trotzkisten, Titoisten, Eurokommunisten, Gorbatschowler und Salonsozialisten dem Woshd besonders übelnehmen – die Liquidierung der Volksfeinde mit Parteibuch, die Veränderungen in der Zusammensetzung der sowjetischen Führungsschicht, die Wendung vom nationalen Nihilismus zum Sowjetpatriotismus oder die Verbannung dekadenter („avantgardistischer“) Kunst aus der Öffentlichkeit – wird von russischen Patrioten eher als Verdienst Stalins angesehen. Weiterlesen

Die Partei der Übriggebliebenen – „Säuberungen“ und „Entstalinisierung“ im Spiegel russischer Dokumentenpublikationen

Von Hans-Werner Klausen

1. Vom Tode Stalins bis zum XX. Parteitag (1953 – 1956)

Seit dem Zusammnbruch der SU und besonders seit dem Rücktritt Jelzins wird im Westen oft über die Unzugänglichkeit der früheren sowjetischen Archive geklagt. Dabei wird (vermutlich mehr aus Dummheit statt aus Böswilligkeit) oft übersehen, daß viele Dokumente zur Geschichte der KPdSU und des „Sowjet“staates (in Rußland gab es spätestens seit 1921 keine Räte mehr, sondern nur noch Rätekulissen) bereits veröffentlicht sind, daß die düsteren Kapitel dabei keineswegs ausgespart wurden (so erschienen in den neunziger Jahren Dokumentenbände u. a. über den Gulag, Katyn, die Kollektivierung und den Kronstädter Aufstand) , und daß die Veröffentlichungen unter Putin fortgesetzt werden. Besonders verdienstvoll sind hierbei die Tätigkeit der Gesellschaft „Memorial“, sowie der Jakowlew-Stiftung. Weiterlesen