Die Partei der Übriggebliebenen – „Säuberungen“ und „Entstalinisierung“ im Spiegel russischer Dokumentenpublikationen

Von Hans-Werner Klausen

1. Vom Tode Stalins bis zum XX. Parteitag (1953 – 1956)

Seit dem Zusammnbruch der SU und besonders seit dem Rücktritt Jelzins wird im Westen oft über die Unzugänglichkeit der früheren sowjetischen Archive geklagt. Dabei wird (vermutlich mehr aus Dummheit statt aus Böswilligkeit) oft übersehen, daß viele Dokumente zur Geschichte der KPdSU und des „Sowjet“staates (in Rußland gab es spätestens seit 1921 keine Räte mehr, sondern nur noch Rätekulissen) bereits veröffentlicht sind, daß die düsteren Kapitel dabei keineswegs ausgespart wurden (so erschienen in den neunziger Jahren Dokumentenbände u. a. über den Gulag, Katyn, die Kollektivierung und den Kronstädter Aufstand) , und daß die Veröffentlichungen unter Putin fortgesetzt werden. Besonders verdienstvoll sind hierbei die Tätigkeit der Gesellschaft „Memorial“, sowie der Jakowlew-Stiftung.

Die von der „Internationalen Stiftung Demokratie“ (= Jakowlew-Stiftung, unter der Leitung von Alexander Jakowlew, Politbüromitglied unter Gorbatschow und Vorsitzender der Rehabilitierungskommissionen unter Gorbatschow, Jelzin und Putin) herausgegebenen Dokumentenbände „Reabilitazija – kak eto bylo“ (Der erste Band enthält Dokumente aus der Zeit vom Tode Stalins bis zum XX. Parteitag, der zweite Band Dokumente aus der Zeit von 1956 – 1984) beleuchten die Chruschtschowsche „Entstalinisierung“, die „Rehabilitierungen“, die schleichende „Restalinisierung“ unter Breshnew und die „Säuberungen“ von 1934 bis zum Tode Stalins.

Die ersten Rehabilitierungen wurden nach Stalins Tod auf Initiative Berijas vorgenommen. Es klingt paradox – Berija war der erste Reformkommunist und wirkte auf eine Milderung des Strafsystems hin. Er ließ die vor Stalins Tod verhafteten „Mörderärzte“ sowie einige Generale, georgische Funktionäre und Verwandte einiger Politbüromitglieder (z. B. Molotows Frau) rehabilitieren, verbot die Anwendung der Folter, ließ eine Amnestie für kriminelle Lagerinsassen mit Haftstrafen bis zu 5 Jahren verkünden und wollte die Rechte der „Sonderberatung“ beim Innenministerium (diese konnte ohne Gerichtsverhandlung Haftstrafen bis zu 25 Jahren verhängen, vergleichbar dem „Schutzhaftbefehl“ der Gestapo) einschränken.

Aus anderen Veröffentlichungen geht außerdem hervor, daß Berija auf die Unwirtschaftlichkeit der Häftlingsarbeit hinwies, in den nichtrussischen Republiken einheimische Kader an Stelle von Russen förderte, an Stalins Deutschlandpolitik vom Frühjahr 1952 (Einheit und Neutralisierung Deutschlands) anknüpfte und die Beziehungen zu Jugoslawien verbessern wollte. Berija wurde nicht wegen seiner tatsächlichen Verbrechen beseitigt , sondern weil Chruschtschow und seine Kumpane einen Konkurrenten ausschalten wollten. Nach seiner Verhaftung (Ende Juni 1953) wurde Berija zum „schwarzen Mann“ gemacht und die Schuld an allen Übeltaten auf ihn abgewälzt, obwohl (oder weil) Männer wie Molotow, Kaganowitsch, Malenkow und (in geringerem Maße) Chruschtschow als Schreibtischtäter mehr Dreck am Stecken hatten.

Nach der Verhaftung Berijas wurde die Milderung des Strafsystems fortgesetzt: Die „Sonderberatung“ wurde abgeschafft, die ersten „Politischen“ wurden aus den Lagern und Verbannungsorten entlassen, die Lage der „Sonderumsiedler“ (unter ihnen die deportierten Völker) erleichtert (die Siedlungen verloren ihren lagerähnlichen Status). Ab 1954 setzte die postume Rehabilitierung liquidierter Angehöriger der Nomenklatura ein; davon waren zunächst vorwiegend Personen betroffen, die ab Ende 1938 (Übernahme des NKWD durch Berija) verhaftet worden waren und für deren Liquidierung man Berija und Abakumow (1946 – 1951 Minister für Staatssicherheit) verantwortlich machen konnte. Für die Rehabilitierungen trat besonders Chruschtschow ein. Seine Motive waren nicht immer selbstlos. So betrieb er 1954 die Rehabilitierung der Funktionäre, die 1949/50 in der „Leningrader Affäre“ gesäubert worden waren und unterminierte damit die Position Malenkows, der bei dieser Aktion seine Hand im Spiel gehabt hatte und 1953 – 1955 als Vorsitzender des Ministerrats ein Konkurrent Chruschtschows war.

Im Februar 1954 bekam Chruschtschow aus dem Archiv des Innenministeriums die „Stalinschen Erschießungslisten“ (auf den Inhalt wird an anderer Stelle eingegangen), die bei Bedarf als Waffe gegen Stalins „Alte Garde“ (Molotow, Kaganowitsch, Woroschilow) verwendet werden konnten. 1955 wurden die postumen Rehabilitierungen zunehmend auf Opfer der „Jeshowschtschina“ (Nikolai Jeshow – 1936/38 Leiter der Sicherheitsorgane) ausgedehnt. Die vorliegende Dokumentation enthält mehrere Vorschläge des Generalstaatsanwalts für einzelne Rehabilitierungen, die von den Mitgliedern des ZK-Präsidiums (von 1952 – 1966 hatte das Politbüro den Namen Präsidium) kommentarlos abgesegnet wurden. Molotow, Kaganowitsch und Woroschilow stimmten den Rehabilitierungen ebenso zu, wie sie einst der Erschießung derselben Leute zugestimmt hatten. Die Schreiben des Generalstaatswalts sind auch deshalb aufschlußreich, weil aus ihnen hervorgeht, was den betreffenden Personen konkret vorgeworfen worden war.

Je mehr sich die Rehabilitierungen auf die Opfer der „Jeshowschtschina“ ausdehnten, desto weniger war es möglich, den Fragen nach den Ausmaßen des Staatsterrors (Chruschtschow und Malenkow hatten bereits im Dezember 1953 vom Innenministerium eine nach einzelnen Jahren aufgeschlüsselte Statistik über die Zahl der Verhaftungen und Verurteilungen für die Zeit von 1921 bis zum ersten Quartal 1953 erhalten) und der persönlichen Verantwortlichkeit Stalins auszuweichen. Am 5. November 1955 beschloß das ZK-Präsidium (gegen den Widerspruch Kaganowitschs und Woroschilows) keine Gedenkfeier zu Stalins Geburtstag abzuhalten und am 31. Dezember wurde eine „Kommission zur Feststellung der Gründe für die Massenrepressalien gegen die auf dem XVII. Parteitag (1934) gewählten Mitglieder und Kanidaten des ZK der KPdSU“ unter der Leitung des ZK-Sekretärs Pospelow eingesetzt.

Die Kommission legte am 9. Februar ihren Bericht (54 Schreibmaschinenseiten) dem Präsidium vor. Der Bericht enthielt neben ausführlichen Angaben über die Schicksale einzelner Funktionäre auch einen Überblick über die „Massenoperationen“ und die „nationalen Operationen“ des NKWD, die Mißachtung der Rechtsnormen durch Staatsanwaltschaft und Gerichte, über die außergerichtlichtliche Behandlung von Strafsachen durch „Troikas“, „Dwoikas“ und die „Sonderberatung“, erwähnte die „Stalinschen Erschießungslisten“ und gab eine Statistik über die in den Jahren 1935 – 1940 unter der Beschuldigung antisowjetischer Tätigkeit vorgenommenen Verhaftungen und Exekutionen. Die Gesamtzahl der Verhaftungen wird hier für diesen Zeitraum mit 1 980 635 angegeben (davon 918 671 für 1937 und 629 695 für 1938), die Zahl der Exekutionen wird mit 688 503 angegeben (davon 353 074 für 1937 und 328 618 für 1938). Man muß davon ausgehen, daß es sich hierbei (ebenso wie im Bericht des Innenministeriums an Chruschtschow und Malenkow vom Dezember 1953) um Mindestzahlen handelt; so sind in der Zahl der Exekutionen für 1940 (wird mit 1863 angegeben) die erschossenen polnischen Offiziere und Zivilisten nicht enthalten. Im Bericht wird das Bestreben sichtbar, die Partei und besonders die Nomenklatura als das eigentliche Opfer Stalins und des NKWD darzustellen; daß die Frage nach der Verantwortung von Stalins Mitstreitern umgangen wurde, war selbstverständlich. Nicht erwähnt wurden auch die Fragen, die mit den Moskauer Prozessen und der „Verschwörung Tuchatschewskis“ zusammenhingen.

Am 9. Februar wurde beschlossen, daß Chruschtschow auf einer geschlossenen Sitzung des XX. Parteitags ein Referat über den „Personenkult“ halten sollte. Am 18. Februar legten Pospelow und der ZK-Sekretär Aristow einen Entwurf des Referats vor, Chruschtschow diktierte am 19. Februar mehrere Zusätze und Ergänzungen. Der Entwurf des Referats war eine erheblich entschärfte Version des Berichts vom 9. Februar: die konkreten Zahlen über die Verhaftungen fehlten ebenso wie zahlreiche Fakten aus dem Bericht; der Entwurf konzentrierte sich noch stärker als der Bericht vom 9. Februar auf den Terror gegen die Nomenklatura (den man als die gerechteste aller Ungerechtigkeiten der Stalin-Ära auffassen könnte), die „Verdienste“ Stalins im Kampf gegen die „Abweichungen“ nach Lenins Tod wurden hervorgehoben, die bis 1934 durchgeführte Politik voll gerechtfertigt und der Terror auf Stalins schlechten Charakter zurückgeführt. Chruschtschow brachte dafür zusätzliche Fakten aus den Kriegs- und Nachkriegsjahren.

So wurde auf Initiative Chruschtschows die Deportation der Tschetschenen, einiger anderer Kaukasusvölker und der Kalmücken erwähnt (die der Wolgadeutschen und Krimtataren oder die Massendeportationen aus dem Baltikum und anderen ab 1939 einverleibten Gebieten nicht). Durch Chruschtschows Zusätze wurde das Referat lebendiger und erhielt eine stärker persönliche Färbung. Mit seiner Geheimrede, die Chruschtschow am 25. Februar 1956 hielt (und die neben beweisbaren Fakten auch Verleumdungen enthielt, etwa daß Stalin die militärischen Operationen am Globus geplant habe) verbesserte Chruschtschow auch seine Position im Kampf um die Macht ; obwohl in der Geheimrede nur Stalin, Jeshow, Berija und die NKWD-Leute als Schuldige erwähnt wurden, wußte jeder Sowjetmensch, daß Molotow, Kaganowitsch und Woroschilow seit den zwanziger Jahren die nächsten Mitkämpfer Stalins waren und daß Malenkow in Stalins letzten Jahren die „Nummer zwei“ in Partei und Staat war. Die Erwähnung der „Stalinschen Erschießungslisten“ in Chruschtschows Rede war eine versteckte Drohung an die Adresse von Stalins „Alter Garde“.

2. Vom XX. Parteitag (1956) bis zum XXII. Parteitag (1961): Die „Molotow-Kommission“ und die „parteifeindliche Gruppe“

Die „Geheimrede“ blieb nicht lange geheim. In der Sowjetunion wurde sie auf allen Parteiversammlungen verlesen, ebenso vor ausgewählten Komsomolzen. Somit kannten bald Millionen Sowjetmenschen die Rede. In der zweiten Märzhälfte erschienen in der westlichen und jugoslawischen Presse zusammenfassende Inhaltsangaben, im Juni veröffentlichte das State Department den Wortlaut der Rede.

Nachdem in der Sowjetunion auf vielen Versammlungen unbequeme Fragen gestellt worden waren, wurden mit der ZK-Resolution vom 30. Juni 1956 („Über die Überwindung des Personenkults und seiner Folgen“) die engen Grenzen des Erlaubten bei der Bewertung der Vergangenheit gezeigt. Der Beschluß würdigte Stalins Verdienste bei der Bekämpfung der „feindlichen Strömungen in der Partei“ und verurteilte in allgemeiner Form „Personenkult“, „Verletzungen der sozialistischen Gesetzlichkeit“ und „Massenrepressalien“, nannte jedoch (im Unterschied zur „Geheimrede“) keine konkreten Fakten.

In den Jahren 1956 – 1957 wurden massenhaft Lagerinsassen und Verbannte freigelassen und teilweise rehabilitiert, eine Reihe drakonischer Gesetze aus der Stalinära wurden aufgehoben, einige deportierte Völker (darunter die Tschetschenen) durften in ihre Heimat zurückkehren und viele Personen wurden postum rehabilitiert. Eine besonders heikle Frage waren die Moskauer Prozesse der Jahre 1936 – 1938. Es ging hierbei um die Prozesse vom August 1936 gegen das „terroristische trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum“ (Sinowjew, Kamenew u. a.), vom Januar 1937 gegen das „antisowjetische trotzkistische Zentrum“ (Pjatakow, Radek u. a.), vom Juni 1937 gegen die „antisowjetische trotzkistische Militärorganisation“ (Tuchatschewski, Uborewitsch, Jakir u.a.) und vom März 1938 gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten (Bucharin, Rykow, Jagoda, Krestinski, Rosengolz u.a.).

Am 13. April 1956 beschloß das ZK-Präsidium die Einsetzung einer „Kommission für die Überprüfung der Materialien der öffentlichen Gerichtsprozesse in den Strafsachen Bucharin, Rykow, Sinowjew, Tuchatschewski und andere“. Vorsitzender der Kommission wurde Molotow, unter den weiteren Mitgliedern der Kommission waren Kaganowitsch und Woroschilow. Damit wurden die Böcke zu Gärtnern gemacht, denn diese Männer bildeten in den Jahren 1936 – 1938 zusammen mit Jeshow die nächste Umgebung Stalins. Im abschließenden Gutachten der Kommission vom 10. Dezember 1956 wurde festgestellt, daß es für eine Wiederaufnahme der Verfahren gegen die Hauptangeklagten der Prozesse (mit Ausnahme des Tuchatschewski-Prozesses) keine Gründe gäbe. Gleichzeitig wurde die Rehabilitierung der Nebenangeklagten aus den Moskauer Prozessen nicht prinzipiell ausgeschlossen und grünes Licht für die Rehabilitierung Marschall Tuchatschewskis und seiner Mitverurteilten vom Juni 1937 gegeben (vermutlich hatte die Generalität darauf gedrängt). Molotow dürfte der Rehabilitierung Tuchatschewskis nur widerwillig zugestimmt haben; noch in den siebziger Jahren war er davon überzeugt, daß die Tuchatschewski-Gruppe tatsächlich einen Militärputsch vorbreitet hatte.

Im Juni 1957 stimmte eine Mehrheit des ZK-Präsidiums für die Absetzung Chruschtschows. Die Anhänger Chruschtschows konnten jedoch mit Hilfe des KGB und der Armee ein ZK-Plenum einberufen. Das Plenum wurde zum Tribunal gegen Molotow, Kaganowitsch und Malenkow, die Rädelsführer der versuchten Palastrevolution gegen Chruschtschow. Die Vergangenheit wurde jetzt als Waffe gegen die Gegner Chruschtschows verwendet. Marschall Shukow, der als einer der ersten Redner sprach und der vom KGB die nötigen Unterlagen bekommen hatte, erwähnte zahlreiche Fakten über die persönliche Mitverantwortung der drei bei den Säuberungen, in anderen Reden gab es weitere Hinweise. Molotow, Kaganowitsch und Malenkow wurden als „parteifeindliche Gruppe“ aus dem ZK ausgeschlossen, im Unterschied zu früheren Gepflogenheiten jedoch nicht liquidiert. In den Jahren nach den Plenum wurde für alle Fälle weiteres kompromittierendes Material über die drei zusammengetragen. So enthält der Dokumentenband der Jakowlew-Stiftung einen an Chruschtschow gerichteten Bericht von 1958 über Malenkows Teilnahme an den Säuberungen in Weißrußland ab 1937. Ab 1957 wurden auch einige Angeklagte aus den Moskauer Prozessen rehabilitiert, ohne daß die Prozesse insgesamt neu aufgerollt wurden.

3. Der XXII. Parteitag (1961) und die Folgen

Im Mai 1961 wurde auf Anweisung des ZK-Präsidiums eine neue Kommission unter der Leitung des Präsidiumsmitglieds Schwernik gebildet, der auch KGB-Chef Schelepin angehörte. 1962 wurde Schelepins Nachfolger im KGB, Semitschastny, in die Kommission kooptiert. Wir wissen nicht, warum die Parteiführung die Prozesse wieder aufrollen ließ. Im September 1961 erstellte die Kommission ein Gutachten zum Prozeß gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten“, in dem die Rehabilitierung aller Angeklagten mit Ausnahme Jagodas (Jagoda – 1934/36 Leiter der Sicherheitsorgane, im September 1936 von Jeshow abgelöst) empfohlen wurde (auszugsweise abgedruckt bei Marc Junge, Bucharins Rehabilitierung. – Berlin 1999). Analoge Gutachten dürfte es auch zu den Prozessen vom August 1936 und Januar 1937 gegeben haben.

Der XXII. Parteitag (17. – 30. Oktober 1961) brachte einen neuen Schub der „Entstalinisierung“. Offiziell sollte hier das neue Parteiprogramm im Mittelpunkt stehen. Tatsächlich aber galt die ganze öffentliche Aufmerksamkeit den auf dem Parteitag vorgebrachten Angriffen auf Stalin und die „Parteifeinde“, dem Konflikt zwischen Moskau und Tirana (Chruschtschow rief offen zum Sturz Enver Hoxhas auf) und dem schwelenden, aber noch nicht offen ausgetragenen Konflikt zwischen Moskau und Peking (Tschou En-lai kritisierte vorsichtig Chruschtschows Vorgehen gegen Albanien, kehrte vorzeitig nach Peking zurück und legte vorher im Mausoleum an Stalins Sarg einen Kranz nieder; die Kranzschleife war mit der Aufschrift versehen: „Dem großen Marxisten-Leninisten J. W. Stalin“). Schließlich beschloß der Parteitag die Entfernung von Stalins Leichnam aus dem Mausoleum. Anschließend wurden die nach Stalin benannten Städte (darunter Stalingrad) umbenannt. In der DDR wurden im November 1961 Stalinstadt zu Eisenhüttenstadt, die Berliner Stalinallee umbenannt und das dortige Stalin-Denkmal in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entfernt. Molotow, Malenkow und Kaganowitsch wurden nach dem Parteitag aus der KPdSU ausgeschlossen.

Im Januar 1962 erteilte das ZK-Präsidium der Schwernik –Kommission den Auftrag, einen zusammenfassenden Bericht über die Moskauer Prozesse und die Repressionen vom 1. Dezember 1934 bis zum Tode Stalins zu erarbeiten. Am Bericht wurde mehr als ein Jahr gearbeitet; am 18. Februar 1963 wurde er dem ZK-Präsidium übergeben. Im Juli 1964 folgte ein ausführlicher Bericht über den Fall Tuchatschewski und die Säuberungen in der Roten Armee. Beide Berichte sind im Dokumentenband der Jakowlew-Stiftung abgedruckt und sind vielleicht die interessantesten Teile des Buches. Der Bericht vom Februar 1963 umfaßt im Original 195 Schreibmaschinenseiten und ist der ausführlichste offizielle sowjetische Bericht über den Stalinschen Terror aus der Chruschtschow-Zeit.

Der Bericht enthielt Kapitel über Vorbereitung und Durchführung der ersten Prozesse nach der Ermordung Kirows (Dezember 1934 und Januar 1935); die Prozesse vom August 1936 und Januar 1937; das Februar/März-Plenum des ZK 1937; die Vernichtung der Kader von Partei und Staat; den persönlichen Anteil von Stalin, Molotow, Kaganowitsch und Malenkow an den Repressionen; „physische Maßnahmen der Einwirkung auf Verhaftete als Hauptmethode zur Erzielung falscher Geständnisse“; die Aburteilung der Kader nach Listen; Säuberungen in der Armee; die „Massenoperationen“ und „nationalen Operationen“; Repressionen in der Wirtschaft und gegen die Familien von Verurteilten; den Prozeß gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten“; die Folgen der Massenrepressionen und ihre Beendigung im Herbst 1938; Repressionen in der Vorkriegsperode; Repressionen gegen einzelne Völker in der Kriegs- und Nachkriegsperiode; weitere Repressionen in der Nachkriegszeit. Der Bericht gelangte zur Schlußfolgerung, daß alle großen Prozesse von Dezember 1934 – 1938 gefälscht waren und daß alle Verurteilten mit Ausnahme von Kirows Mörder Nikolajew, von Jagoda (wegen seiner tatsächlichen Verbrechen) und Radek (dessen Fall noch einer ergänzenden Untersuchung bedurfte) zu rehabilitieren seien. Es ist nicht verwunderlich, daß der Bericht jahrzehntelang geheim blieb. Aus der Dokumentation geht jedoch nicht hervor, warum die Annullierung der Moskauer Prozesse trotz der Empfehlung der Kommission unterblieb. In der offiziellen sowjetischen Geschichtsschreibung wurden die Moskauer Prozesse zu einem „Nicht-Ereignis“, und das blieb bis Mitte der achtziger Jahre so.

Der Bericht von 1964 über die Säuberungen in der Roten Armee kann aus Platzgründen nicht referiert werden. Ein Punkt aus dem Bericht verdient allerdings erwähnt zu werden. Von verschiedenen Geheimdiensten gab es Desinformationen, die auf unterschiedlichen Wegen (auch von Berlin über Prag) nach Moskau gelangten. Was die oft erwähnten gefälschten deutschen Dokumente betrifft, wurden in den sowjetischen Archiven keine Hinweise gefunden. Auch in den Ermittlungsakten Tuchatschewskis und seiner Mitverurteilten, sowie in der Rede Stalins vor dem Obersten Militärrat über die Verschwörung Anfang Juni 1937 werden derartige Dokumente nicht erwähnt. Die Verurteilung Tuchatschewskis stützte sich ausschließlich auf Geständnisse. Sollte Stalin deutsche Dokumente bekommen haben, hat er jedenfalls keinen Gebrauch davon gemacht (wozu auch, wenn es „aufrichtige Geständnisse“ gab). Die einzigen Quellen für die Existenz dieser Dokumente sind Memoiren ehemaliger Geheimdienstoffiziere Himmlers (Walter Schellenberg, Wilhelm Höttl alias Walter Hagen).

Kurz vor Chruschtschows Sturz erfolgte 1964 die Rehabilitierung der Wolgadeutschen, doch konnten sie nicht in ihr altes Siedlungsgebiet zurückkehren. Analog wurde 1967 mit den Krimtataren verfahren. 1972 wurden die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für einige zwangsumgesiedelte Nationalitäten, darunter auch die Sowjetbürger deutscher Nationalität, aufgehoben. Einzelne Deutsche konnten sich auch wieder im ehemaligen Territorium der Wolgadeutschen ASSR ansiedeln.

Im Oktober 1964 wurde Chruschtschow gestürzt. Die neue Führung wollte mit den unangenehmen Seiten der Vergangenheit so wenig wie möglich zu tun haben. Individuelle Rehabilitierungen gab es ab 1966 nur noch ganz selten, doch wurden einige Verordnungen der Regierung und des ZK, die als Grundlage von Unterdrückungsmaßnahmen unter Stalin gedient hatten, aufgehoben. Eine förmliche Rücknahme der „Entstalinisierung“ wurde vermieden, denn dies hätte Beunruhigung im In- und Ausland hervorgerufen und die Führung wollte vor allem Ruhe. Der Makel des „Personenkults“ und der „Verletzung der sozialistischen Gesetzlichkeit“ wurde von Stalin nicht genommen, doch sollte darüber so selten wie möglich gesprochen werden. Die Führung legte darauf Wert, daß vor allem erfreuliche Seiten der Vergangenheit ins rechte Licht gerückt wurden. Das blieb auch in den frühen achtziger Jahren so. Höhepunkt der schleichenden Restalinisierung war 1984 die Wiederaufnahme Molotows in die Partei, von der die Bevölkerung durch die westlichen Sender erfuhr; Generalsekretär Tschernenko übergab Molotow persönlich das Parteibuch.

4. „Stalinsche Erschießungslisten“ im Internet

Das Archiv des Präsidenten der Russischen Föderation und die Gesellschaft „Memorial“ haben im Jahre 2003 die „Stalinschen Erschießungslisten“ im Internet zugänglich gemacht (http://stalin.memo.ru/index.htm). Es handelt sich hierbei um 383 Listen in 11 Bänden mit 44 477 Namen (einschließlich zweier undatierter Listen vom Herbst 1936), die das NKWD vom 27. Februar 1937 bis zum 29. September 1938 an Stalin gesandt hatte und die zur Verurteilung nach drei Kategorien (erste Kategorie – Erschießung, 38 955 Namen; zweite Kategorie – 10 Jahre, 5420 Namen; dritte Kategorie – 5 bis 8 Jahre, 102 Namen) durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts vorgesehen waren (die „Gerichtsverhandlungen“ dauerten in der Regel 15 – 20 Minuten), sowie um weitere Listen aus den Jahren 1940, 1942 und 1950. Da einige Namen in mehreren Listen vorkommen, ist die reale Zahl der Verurteilten niedriger; von den Herausgebern wird sie auf höchstens 43 768 geschätzt. Die Gründe für die wiederholte Erwähnung von Personen in den Listen sind unklar, vielleicht wurden einige Inhaftierte noch für zusätzliche Vernehmungen und Gegenüberstellungen gebraucht. Die Listen sind chronologisch geordnet und außerdem durch ein Namenregister und ein geographisches Register erschlossen.

Die Listen wurden entweder im zentralen Apparat des NKWD zusammengestellt (in der Regel mit der Überschrift „Moskau-Zentrum“) oder in den Volkskommissariaten für Innere Angelegenheiten der Unionsrepubliken und NKWD-Gebietsverwaltungen für den zentralen NKWD-Apparat vorbereitet. Anschließend wurden die Listen von Jeshow an Stalin zur Bestätigung weitergeleitet.

Am häufigsten findet sich auf den Listen die Unterschriften von Stalin (357 Listen) und Molotow (372 Listen), gefolgt von Kaganowitsch (188 Listen), Woroschilow (185 Listen) und Shdanow (176 Listen). Mikojan unterschrieb 8 Listen, der 1939 selbst erschossene Kosior 5 Listen. Während für die Verurteilung der Personen, die im Zuge der „Massenoperationen“ und der „nationalen Operationen“ verhaftet wurden, die „Troikas“, andere außergerichtliche Organe oder örtliche Gerichte zuständig waren (für Stalin und seine nächste Umgebung waren dies nur statistische Größen), enthielten die „Stalinschen Erschießungslisten“ Personen, die auf die eine oder andere Weise bei der „Kaderrevolution“ unter die Räder gekommen waren: ehemalige Mitglieder oppositioneller Gruppen in der Partei, Leute aus der zivilen Nomenklatura, Militärs, Tschekisten, Familienangehörige von „Volksfeinden“, ausländische Kommunisten, sowie einige Intellektuelle und frühere Mitglieder nichtbolschewistischer Parteien.

Einige Personen wurden nicht vom Militärkollegium des Obersten Gerichts, sondern im „Sonderverfahren“ abgeurteilt. Bei diesen Personen (vorwiegend ehemalige Tschekisten) unterblieb die Prozedur einer Gerichtsverhandlung und sie wurden auf Beschluß einer Sonderkommission (bestehend aus dem Vorsitzenden des Militärkollegiums Ulrich, Wyschinskis Stellvertreter Roginski und Jeshow oder seinem Ersten Stellvertreter Frinowski) erschossen. Diese Leute wurden auf gesonderten Listen aufgeführt (vom 16. Juni 1937 bis zum 10. Juni 1938 insgesamt 254 Namen).

Es gab Tage, an denen die Anzahl der bestätigten Listen besonders hoch war. Am 7. Dezember 1937 bestätigten Stalin, Molotow und Shdanow 13 Listen mit 2397 Namen (davon 2124 zur Erschießung vorgesehen), am 3. Januar 1938 bestätigten Shdanow, Molotow, Kaganowitsch und Woroschilow 22 Listen mit 2770 Namen (davon 2548 zur Erschießung vorgesehen), am 19. April 1938 bestätigten Stalin, Molotow, Kaganowitsch und Shdanow 29 Listen mit 2799 Namen (davon 2444 zur Erschießung vorgesehen), am 10. Juni 1938 unterschrieben Stalin und Molotow 29 Listen mit 2750 Namen (davon 2371 zur Erschießung vorgesehen), am 12. September bestätigten Stalin, Molotow und Shdanow 38 Listen mit insgesamt 6010 Namen, davon 4823 aus der „ersten Kategorie“. Die letzten 14 Listen wurden am 29. September 1938 durch Stalin und Molotow bestätigt (14 Listen mit 885 Namen, davon 765 nach der „ersten Kategorie“ abzuurteilen).

Hier seien einige Listen angeführt, in denen der Anteil hochrangiger Opfer aus der Nomenklatura besonders groß war. Am 21. Oktober 1937 bestätigten Stalin, Molotow, Kaganowitsch und Woroschilow unter der Überschrift „Moskau-Zentrum“ eine Liste mit 68 Namen, unter ihnen 20 Mitglieder und Kanidaten des ZK. Im November 1937 bestätigten Stalin, Molotow, Woroschilow, Kaganowitsch und Shdanow Listen unter der Überschrift „Moskau-Zentrum“, in denen zur Verurteilung nach der „ersten Kategorie“ vorgeschlagen wurden: 45 Mitglieder und Kanidaten des ZK (bestätigt 23), 28 Mitglieder der Kommissionen für Parteikontrolle und für Sowjetkontrolle und der Zentralen Revisionskommission (bestätigt 22), 12 Sekretäre von Gebiets- und Regionskomitees der Partei, 26 Volkskommissare, stellvertretende Volkskommissare und Vorsitzende von Gebietsexekutivkomitees (bestätigt 21), 149 verantwortliche Mitarbeiter der Volkskommissariate (bestätigt 140; in dieser Liste war auch Heinz Neumann), 15 Militärs und 17 NKWD-Mitarbeiter. Bucharin, Rykow und die meisten anderen späteren Angeklagten aus dem Prozeß gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten“ wurden aus diesen Listen gestrichen; vermutlich fiel erst in dieser Zeit die Entscheidung für einen öffentlichen Prozeß. Die übrigen aus diesen Listen gestrichenen Personen tauchten in späteren Listen wieder auf und wurden ebenfalls erschossen. Die 17 Tschekisten wurden im „Sonderverfahren“ verurteilt.

Am 26. Juli 1938 schickte Jeshow an Stalin eine Liste mit 139 Namen, die von Stalin und Molotow mit der Bemerkung „Für die Erschießung aller 138 Menschen“ bestätigt wurde (Marschall Jegorow, der aus der Liste gestrichen wurde, kam erst im Februar 1939 an die Reihe). Auf dieser Liste befanden sich

-17 Mitglieder und Kandidaten des 1934 gewählten ZK (N.K. Antipow, A.S. Bubnow, I.M. Warejkis, W.G.Knorin, W.I. Meshlauk, I.A. Pjatnizki, J.E. Rudsutak, M.L. Ruchimowitsch, A.I. Stezki, J.A. Jakowlew, A.S. Bulin, T.D. Deribas, W.P. Satonski, M.J. Michailow, N.I. Pachomow, E.K. Pramnek, I.S. Unschlicht )
-9 Volkskommissare der UdSSR (N.K. Antipow, J.E. Rudsutak, W.I. Meshlauk, M.W. Popow, G.I. Smirnow, N.W. Krylenko, M.L. Ruchimowitsch, I.A. Chalepski, N.I. Pachomow)
-1 Armeekommandeur 1. Ranges (I.P. Below)
-8 Armeekommandeure 2. Ranges (J.I. Alksnis, I.I. Wazetis, I.N. Dubowoj, P.J. Dybenko, M.K. Lewandowski, A.I. Sedjakin, I.A. Chalepski, M.D. Welikanow)
-4 Armeekommissare 2. Ranges (J.K. Bersin, A.S. Bulin, M.M. Landa, G.S. Okunew)
-2 frühere Chefs der Seestreitkräfte (M.W. Wiktorow, W.M. Orlow)
-2 Kommissare der Staatssicherheit 1. Ranges (J.S. Agranow [früherer Stellvertreter Jagodas und Jeshows im NKWD] , T.D. Deribas)
-1 Kommissar der Staatssicherheit 2. Ranges (I.M. Leplewski; Leplewski hatte als Chef der Sonderabteilung im NKWD die Ermittlungen im Fall Tuchatschewski geleitet)
-Kerenskis Kriegsminister A.I. Werchowski (Brigadekommandeur der Roten Armee)
-M.I.Skobelew (menschewistischer Arbeitsminister der provisorischen Regierung, seit 1922 Mitglied der Kommunistischen Partei).
Die meisten dieser Personen wurden am 28. und 29. Juli und am 1. August 1938 exekutiert (auf die Häufung von Todesdaten prominenter Persönlichkeiten an diesen Tagen hatte in den sechziger Jahren zuerst Robert Conquest aufmerksam gemacht).

Am 26. August 1938 übersandte Jeshow an Stalin vier Listen (Liste 1 – Allgemeine Liste, 313 Namen; Liste 2 – ehemalige Militärs, 208 Namen; Liste 3 – ehemalige Mitarbeiter des NKWD, 134 Namen; Liste 4 – Frauen von Volksfeinden, 15 Namen) mit der Bemerkung: „Erbitte die Genehmigung, alle nach der ersten Kategorie abzuurteilen“. Auf den Listen folgten eine kurze Notiz „Dafür“ und die Unterschriften Stalins und Molotows. In der Liste 1 standen u.a. Bela Kun, der Konjunkturforscher Kondratjew und Rykows Frau, in Liste 3 Jeshows früherer Stellvertreter Sakowski, in Liste 4 („Frauen von Volksfeinden“) die Frauen von Agranow, Sakowski, Marschall Jegorow, Armeekommandeur Dybenko, der verhafteten Politbüromitglieder Kosior und Tschubar und der Politbürokanidaten Postyschew und Ejche.

In den „Stalinschen Erschießungslisten“ findet man auch andere Familienangehörige von „Volksfeinden“, unter ihnen Sinowjews Sohn, Schwager und Neffen, Kamenews erste und zweite Frau, Jagodas Frau, zwei Schwestern und seinen Schwager Leopold Awerbach (den früheren Literaturdiktator), Tomskis Frau und zwei Söhne, Trotzkis Sohn Sergej Sedow, die Frauen von Antonow-Owsejenko, Rosengolz und Bubnow. Zu den ausländischen Kommunisten in den Listen gehören die Deutschen Hermann Remmele, Hermann Schubert (unter dem Namen Max Richter), Hans Kippenberger (unter dem Namen Ernest Wolf), Heinrich Süßkind und Heinrich Kurella, die Polen Warski, Walecki, Lenski (Lesczynski) und Próchniak (das in der Liste vom 15. September 1937 vorgeschlagene Todesurteil für Wera Kostrzewa wurde von Stalin und Molotow in 15 Jahre umgewandelt) und der jugoslawische KP-Generalsekretär Milan Gorkic.

Ab 1939 wurden die Listen auf formellere Weise durch Politbürobeschlüsse bestätigt. Für die Zeit nach dem Ende der „Jeshowschtschina“ sind in der vorliegenden Publikation Listen vom 16. Januar 1940, 6. September 1940, 29. Januar 1942, 23. März 1950 und 11. April 1950 enthalten. Am 16. Januar 1940 schlug Berija 346 Personen zur Erschießung vor, unter ihnen Jeshow, dessen Ersten Stellvertreter Frinowski (mit Frau und Sohn), zahlreiche Tschekisten, die nach Jeshows Ablösung verhaftet worden waren (unter ihnen Stalins Schwager Stanislaw Redens), den Politbürokanidaten Ejche, sowie den Theaterregisseur Meyerhold, den Schriftsteller Isaak Babel und den Journalisten Michail Kolzow. Der Minister für Staatssicherheit Abakumow übersandte Stalin am 23. März 1950 eine Liste mit 85 Namen, darunter die Verhafteten aus der „Leningrader Affäre“ und dem „Jüdischen Antifaschistischen Komitee“ (JAK). Am 11. April 1950 erhielt Stalin von Abakumow eine korrigierte Liste mit 35 Namen (ohne die Personen, die im Zusammenhang mit der „Leningrader Affäre“ und dem JAK gruppenweise verurteilt wurden).

Im Februar 1954 erhielt Chruschtschow die Listen aus dem Archiv des Innenministeriums. Durch Chruschtschows „Geheimrede“ auf dem XX. Parteitag erfuhr 1956 eine breitere Öffentlichkeit zum erstenmal von der Existenz der Listen. Als 1957 auf dem Juni-Plenum des ZK der KPdSU die Verschwörung der „parteifeindlichen Gruppe“ gegen Chruschtschow behandelt wurde, berichtete Marschall Shukow Einzelheiten über die Listen (die Informationen hatte er vom KGB bekommen) und machte daraus eine Waffe gegen Molotow und Kaganowitsch. Während des XXII. Parteitages (1961), als öffentlich mit Stalin und der „parteifeindlichen Gruppe“ abgerechnet wurde, verwies KGB-Chef Schelepin auf die Listen und die Mittäterschaft Molotows und Kaganowitschs. Der geheime Bericht der „Schwernik-Kommission“ von 1963 über die Moskauer Prozesse und die Massenrepressalien (2003 in dem von der Jakowlew-Stiftung herausgegebenen Dokumentenband „Reabilitazija – kak eto bylo“, Band 2, veröffentlicht) enthielt ein Kapitel über die Listen.

5. Moskauer Adressen und ihre Bewohner

Eine aufschlußreiche Zusammenstellung ist die von der Gesellschaft „Memorial“ ins Internet gesetzte Liste (http://mos.memo.ru/) erschossener Bewohner Moskaus, sortiert nach der letzten Anschrift vor der Verhaftung. Die Straßennamen sind bei den Listen nach den heutigen Benennungen sortiert; dies ist bei der Suche von Bedeutung weil in der Moskauer Innenstadt zu Sowjetzeiten viele Straßen (z.T. mehrmals) umbenannt wurden. Nach dem Ende der Sowjetunion wurden in der Moskauer Altstadt sämtliche Straßenumbenennungen aus der Sowjetzeit rückgängig gemacht. Wer also nach Verhafteten aus der Gorkistraße sucht, muß wissen, daß er in der Liste unter dem Straßennamen „Twerskaja“ suchen muß. Aufgeführt sind in den Listen Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Nationalität, Parteizugehörigkeit, letzte Dienststellung, Datum der Erschießung und Ort der Beisetzung.

Bei einigen Adressen ist die Anzahl der aufgeführten Erschossenen besonders groß. So findet man in der Twerskaja unter der Nummer 36 das Hotel Lux, seinerzeit Absteigequartier der Komintern. Hier sind 77 Erschossene aus zahlreichen kommunistischen Parteien aufgeführt. Unter der Adresse Uliza Serafimowitscha 2 findet man das „Haus der Regierung“, auch bekannt als „Haus an der Moskwa“ oder „Haus an der Uferstraße“. Das Haus wurde von 1928 bis 1933 unter der Leitung von Boris Iofan (Moskaus Albert Speer) als Wohnhaus für die Nomenklatura errichtet. Die Hausbewohner lebten unter den Moskauern am komfortabelsten, dafür dürften sie während der „Jeshowschtschina“ besonders unruhig geschlafen haben: in der Liste sind 242 erschossene Hausbewohner aufgeführt, unter ihnen Volkskommissare, stellvertretende Volkskommissare, Angehörige der Generalität und Frauen von Volksfeinden. Manch einer, der in die Wohnung seines erschossenen Vormieters eingezogen war, kam bald selbst an die Reihe. So wurde die Wohnung Nr. 227 zunächst vom Chef der Staatlichen Plankommission Meshlauk und seiner Frau bewohnt.

Nachdem die Mieter von den kompetenten Organen im Dezember 1937 in Obhut genommen worden waren, zogen das Politbüromitglied Tschubar und seine Frau in die Wohnung ein. Sie blieben allerdings nicht lange; im Sommer 1938 kamen die Organe auch zu ihnen. Aus der Wohnung Nr. 141 wurden nacheinander ein stellvertretender Volkskommissar für Gesundheitswesen, ein stellvertretender Volkskommissar für die Schwerindustrie und der ehemalige GULAG-Chef Matwej Berman von der strafenden Hand des Sowjetvolkes zur Verantwortung gezogen; wie man sieht waren die Organe streng, aber gerecht. Zu den erschossenen Hausbewohnern gehörte auch der Vater des Schriftstellers Juri Trifonow, durch dessen Roman (deutsche Ausgaben sind sowohl unter dem Titel „Das Haus an der Uferstraße“ als auch unter dem Titel „Das Haus an der Moskwa“ erschienen) dieses Haus in die russische Literatur eingegangen ist. Unter der Adresse Kreml sind 19 Erschossene aufgeführt. Unter ihnen sind sowohl Angehörige der Kremlverwaltung und der Wache als auch einige politische Figuren wie das Politbüromitglied Kosior, der Politbürokanidat Rudsutak und die im Prozeß gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten“ verurteilten Bucharin und Krestinski.

Literaturangaben:
Reabilitazija – kak eto bylo (=Rehabilitierung – wie es war).– Moskwa : Meshdunarodny Fond Demokratija. – 2000 – 2003
Band 1. – Mart 1953 – Fevral 1956
Band 2. – Fevral 1956 – natschalo 80-ch godov

Stalinskie rasstrel’nye spiski (= Stalinsche Erschießungslisten) / NIPZ „Memorial“. Archiv Prezidenta RF. – 2003
Im Internet unter: http://stalin.memo.ru/index.htm

Rasstreljannye w Moskwe / „Memorial“. – 2004
Im Internet unter http://mos.memo.ru


Anhang 1

Schicksal der Mitglieder und Kandidaten des Zentralkomitees der KPdSU(B), gewählt vom XVII. Parteitag (10.2.1934)

Vorbemerkung:

Der XVII. Parteitag der KPdSU(B) wählte am 10. Februar 1934 insgesamt 139 Personen in das Zentralkomitee. Am Vorabend des XVIII. Parteitages (10. bis 21. März 1939) waren in diesem formell höchsten Parteigremium noch 32 Personen verblieben: Stalin, Molotow, L. M. Kaganowitsch, Woroschilow, Kalinin, Andrejew, Mikojan, Jeshow, Shdanow, Petrowski, Chruschtschow, Badajew, Berija, M. M. Kaganowitsch, Krshishanowski, Litwinow, Manuiliski, Nikolajewa, Tschuwyrin, Schwernik, Bagirow, Brojdo, Budjonny, Bulganin, Wejnberg, Sawenjagin, Losowski, Makarow, Mechlis, Poskrebyschew, Schwarz, Jurkin. 24 von ihnen wurden auf dem XVIII. Parteitag wieder ins neue ZK gewählt: Stalin, Molotow, L. M. Kaganowitsch, Woroschilow, Kalinin, Andrejew, Mikojan, Shdanow, Chruschtschow, Berija, Schwernik, M.M. Kaganowitsch, Losowski, Bagirow, Mechlis, Nikolajewa, Litwinow, Badajew, Wejnberg, Makarow, Manuilski, Poskrebyschew, Budjonny, Bulganin. Wie aus dem folgenden Überblick (Reihenfolge der Namen nach dem russischen Alphabet) ersichtlich, wurden die meisten Angehörigen des auf dem „Parteitag der Sieger“ (1934) gewählten ZK als Feinde des Volkes entlarvt und ihrer Strafe zugeführt.

Mitglieder des ZK

– Alexejew, Pjotr Alexejewitsch (1893-1937)
Russe
29.06.1937 verhaftet
06.09.1937 erschossen

– Andrejew, Andrej Andrejewitsch (1895-1971)
Russe
05.12.1971 verstorben

– Antipow, Nikolai Kirillowitsch (1894-1938)
Russe
21.06.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Badajew, Alexej Jegorowitsch (1883-1951)
Russe
03.11.1951 verstorben

– Balizki, Wsewolod Apollonowitsch (1892-1937)
Russe oder Ukrainer
07.07.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Bauman, Karl Janowitsch (1892-1937)
Lette
12.10.1937 verhaftet
14.10.1937 Tod in der Untersuchungshaft

– Berija, Lawrenti Pawlowitsch (1899-1953)
Georgier
26.06.1953 verhaftet
23.12.1953 erschossen

– Bubnow, Andrej Seregejewitsch (1884-1938)
Russe
17.10.1937 verhaftet
01.08.1938 erschossen

– Warejkis, Iosif Michailowitsch (1894-1938)
Litauer
10.10.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Woroschilow, Kliment Jefremowitsch (1881-1969)
Russe
02.12.1969 verstorben

– Gamarnik, Jan Borisowitsch (1894-1937)
Jude
31.05.1937 Selbstmord

– Jewdokimow, Jefim Georgiewitsch (1891-1940)
Russe
09.11.1938 verhaftet
03.02.1940 erschossen

– Jeshow, Nikolai Iwanowitsch (1895-1940)
Russse
10.04.1939 verhaftet
04.02.1940 erschossen

– Jenukidse, Awel Safronowitsch (1877-1937)
Georgier
11.02.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Shdanow, Andrej Alexandrowitsch (1896-1948)
Russe
31.08.1948 verstorben

– Shukow, Iwan Petrowitsch (1889-1937)
Russe
21.06.1937 vehaftet
30.10.1937 erschossen

– Selenski, Isaak Abramowitsch (1890-1938)
Jude
31.10.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Iwanow, Wladimir Iwanowitsch (1893-1938)
Russe
01.11.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Ikramow, Akmal (1898-1938)
Usbeke
20.09.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Kabakow, Iwan Dmitrijewitsch (1891-1937)
Russe
24.04.1937 verhaftet
03.10.1937 erschossen

– Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch (1893-1991)
Jude
25.07.1991 verstorben

– Kaganowitsch, Michail Moissejewitsch (1888-1941)
Jude
01.07.1941 Selbstmord

– Kalinin, Michail Iwanowitsch (1875-1946)
Russe
03.06.1946 verstorben

– Kirow, Sergej Mironowitsch (1886-1934)
Russe
01.12.1934 ermordet

– Knorin, Wilhelm Georgiewitsch (1890-1938)
Lette
22.06.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Kodazki, Iwan Fjodorowitsch (1893-1937)
Russe
28.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Kossarew, Alexander Wassiljewitsch (1903-1939)
Russe
28.11.1938 verhaftet
23.02.1939 erschossen

– Kossior, Iosif Wikentjewitsch (1893-1937)
Pole
03.07.1937 verstorben

– Kossior, Stanislaw Wikentjewitsch (1889-1939)
Pole
03.05.1938 verhaftet
26.02.1939 erschossen

– Krshishanowski, Gleb Maximilianowitsch (1872-1959)
Russe
31.05.1959 verstorben

– Krinizki, Alexander Iwanowitsch (1894-1937)
Russe
20.07.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Krupskaja, Nadeshda Konstantinowna (1869-1939)
Russin
27.02.1939 verstorben

– Kuibyschew, Valerian Wladimirowitsch (1888-1935)
Russe
25.01.1935 verstorben

– Lawrentjew (Kartwelischwili), Lawrenti Iosifowitsch (1891- 1938)
Georgier
22.06.1937 verhaftet
22.08.1938 erschossen

– Lebed, Dmitri Sacharowitsch (1883-1937)
Ukrainer
01.08.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Litwinow, Maxim Maximowitsch (1876-1951)
Jude
31.12.1951 verstorben

– Lobow, Semjon Semjonowitsch (1888-1937)
Russe
21.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Ljubimow, Isidor Jewstignejewitsch (1882-1937)
Russe
24.09.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Manuilski, Dmitri Sacharowitsch (1883-1959)
Ukrainer
25.02.1959 verstorben

– Meshlauk, Waleri Iwanowitsch (1893-1938)
Lette
02.12.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Mikojan, Anastas Iwanowitsch (1895-1978)
Armenier
21.10.1978 verstorben

– Mirsojan, Lewon Isajewitsch (1897-1937)
Armenier
23.05.1938 verhaftet
26.02.1939 erschossen

– Molotow, Wjatscheslaw Michailowitsch (1890-1986)
Russe
08.11.1986 verstorben

– Nikolajewa, Klawdia Iwanowna (1893-1944)
Russin
28.12.1944 verstorben

– Nosow, Iwan Petrowitsch (1888-1937)
Russe
26.08.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Ordshonikidse, Grigori Konstantinowitsch (Sergo) (1886-1937)
Georgier
18.02.1937 Selbstmord

– Petrowski, Grigori Iwanowitsch (1878-1958)
Ukrainer
09.01.1958 verstorben

– Postyschew, Pawel Petrowitsch (1887-1939)
Russe
21.02.1938 verhaftet
26.02.1939 erschossen

– Pjatakow, Juri Leonidowitsch (1890-1937)
Russe
12.09.1936 verhaftet
01.02.1937 erschossen

– Pjatnizki, Iosif (Osip) Aronowitsch (1882-1938)
Jude
07.07.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Rasumow, Michail Osipowitsch (1894-1937)
Russe
01.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Rudsutak, Jan Ernestowitsch (1887-1938)
Lette
25.05.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Rumjanzew, Iwan Petrowitsch (1886-1937)
Russe
17.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Ruchimowitsch, Moissej Lwowitsch (1889-1938)
Jude
18.10.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Ryndin, Kusma Wassiljewitsch (1893-1938)
Russe
12.10.1937 verhaftet
10.02.1938 erschossen

– Stalin, Iosif Wissarionowitsch (1879-1953)
Georgier
05.03.1953 verstorben

– Stezki, Alexej Iwanowitsch (1896-1938)
Russe
26.04.1938 verhaftet
01.08.1938 erschossen

– Sulimow, Daniil Jegorowitsch (1890-1937)
Russe
27.06.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Uchanow, Konstantin Wasiljewitsch (1891-1937)
Russe
21.05.1937 verhaftet
26.10.1937 erschossen

– Chatajewitsch, Mendel Markowitsch (1893-1937)
Jude
09.07.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Chruschtschow, Nikita Sergejewitsch (1894-1971)
Russe
11.09.1971 verstorben

– Tschernow, Michail Alexandrowitsch (1891-1938)
Ukrainer
07.11.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Tschubar, Wlas Jakowlewitsch (1891-1939)
Ukrainer
04.07.1938 verhaftet
26.02.1939 erschossen

– Tschuwyrin, Michail Jewdokimowitsch (1883-1947)
Russe
14.09.1947 verstorben

– Tschudow, Michail Semjonowitsch (1893-1937)
Russe
28.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Schwernik, Nikolai Michailowitsch (1888-1970)
Russe
24.12.1970 verstorben

– Scheboldajew, Boris Petrowitsch (1895-1937)
Russe
10.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Ejche, Robert Indrikowitsch (1890-1940)
Lette
29.04.1938 verhaftet
04.02.1940 erschossen

– Jagoda, Genrich Grigorjewitsch (1891-1938)
Jude
28.03.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Jakir, Iona Emmanuilowitsch (1896-1937)
Jude
28.05.1937 verhaftet
12.06.1937 erschossen

– Jakowlew, Jakow Arkadjewitsch (1896-1938)
Jude
12.10.1937 verhaftet
29.07. 1938 erschossen

Kandidaten des ZK

– Bagirow, Mir Dshafar Abbas ogly (1896-1956)
Aserbaidshaner
13.03.1954 verhaftet
26.05.1956 erschossen

– Blagonrawow, Georgi Iwanowitsch (1895-1938)
Russe
25.05.1937 verhaftet
16.06.1938 erschossen

– Blücher, Wassili Konstantinowitsch (1890-1938)
Russe
22.10.1938 verhaftet
09.11.1938 Tod in der Untersuchungshaft

– Brojdo, Grigori Isaakowitsch (1885-1956)
Jude
08.1941 verhaftet
08.04.1945 zu 10 Jahren Haft verurteilt
1951 – 1954 verbannt
1956 verstorben

– Budjonny, Semjon Michailowitsch (1883-1973)
Russe
26.02.1973 verstorben

– Bulganin, Nikolai Alexandrowitsch (1895-1975)
Russe
24.02.1975 verstorben

– Bulin, Anton Stepanowitsch (1894-1938)
Russe
05.11.1937 verhaftet
28.07.1938 erschossen

– Bucharin, Nikolai Iwanowitsch (1888-1938)
Russe
27.02.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Bykin, Jakow Borisowitsch (1888-1938)
Jude
06.10.1937 verhaftet
08(?).02.1938 erschossen

– Weger, Jewgeni Iljitsch (1899-1937)
Jude
23.06.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Wejnberg, Gawriil Dawydowitsch (1891-1946)
Jude
29.06.1946 verstorben

– Gikalo, Nikolai Fjodorowitsch (1897-1938)
Russe
11.10.1937 verhaftet
25.04.1938 erschossen

– Goloded, Nikolai Matwejewitsch (1894-1937)
Weißrusse
30.05.1937 verhaftet
21.06.1937 Selbstmord in der Untersuchungshaft

– Grinko, Grigori Fjodorowitsch (1890-1938)
Ukrainer
17.08.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Grjadinski, Fjodor Pawlowitsch (1893-1938)
Russe
10.08.1937 verhaftet
10.02.1938 erschossen

– Demtschenko, Nikolai Nesterowitsch (1896-1937)
Ukrainer
22.07.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Deribas, Terenti Dmitrijewitsch (1883-1938)
Russe
12.08.1937 verhaftet
28.07.1938 erschossen

– Jegorow, Alexander Iljitsch (1885-1939)
Russe
27.03.1938 verhaftet
23.02.1939 erschossen

– Jerjomin, Iwan Glebowitsch (1895-1935)
Russe
24.09.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Sawenjagin, Awrami Pawlowitsch (1901-1956)
Russe
31.12.1956 verstorben

– Satonski, Wladimir Petrowitsch (1888-1938)
Ukrainer
03.11.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Isajew, Uras Dhajsakowitsch (1899-1938)
Kasache
31.05.1938 verhaftet
29.08.1938 erschossen

– Kalmanowitsch, Moisej Iosifowitsch (1888-1937)
Jude
11.06.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Kalygina, Anna Stepanowna (1895-1937)
Russin
26.06.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Kaminski, Grigori Naumowitsch (1895-1938)
Jude
25.06.1937 verhaftet
10.02.1938 erschossen

– Komarow, Nikolai Pawlowitsch (1886-1937)
Russe
13.06.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Kubjak, Nikolai Afanasjewitsch (1881-1937)
Russe
13.06.1937 verhaftet
27.11.1937 erschossen

– Kulkow, Michail Maximowitsch (1891-1937)
Russe
07.10.1938 verhaftet
27.02.1939 erschossen

– Kurizyn, Wassili Iwanowitsch (1892-1937)
Russe
16.08.1937 verhaftet
05.11.1937 erschossen

– Lepa, Alfred Karlowitsch (1896-1938)
Lette
05.10.1937 verhaftet
09.05.1938 erschossen

– Losowski, Solomon Abramowitsch (1878-1952)
Jude
26.01.1949 verhaftet
12.08.1952 erschossen

– Ljubtschenko, Panas Petrowitsch (1891-1937)
Ukrainer
30.08.1937 Selbstmord

– Makarow, Iwan Gawrilowitsch (1881-1949)
Russe
11.09.1949 verstorben

– Mechlis, Lew Sacharowitsch (1889-1953)
Jude
13.02.1953 verstorben

– Michailow, Wassili Michailowitsch (1894-1937)
Russe
11.06.1937 verhaftet
26.09.1937 erschossen

– Michailow, Michail Jefimowitsch (1894-1937)
Jude
10.11.1937 verhaftet
01.08.1938 erschossen

– Musabekow, Gasanfar Machmud ogly (1888-1938)
Aserbaidshaner
06.1937 verhaftet
09.02.1938 erschossen

– Ossinski, Valerian Valerianowitsch (1887-1938)
Russe
13.10.1937 verhaftet
01.09.1938 erschossen

– Pawlunowski, Iwan Petrowitsch (1888-1937)
Russe
28.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Pachomow, Nikolai Iwanowitsch (1890-1938)
Russe
09.04.1938 verhaftet
19.08.1938 erschossen

– Posern, Boris Pawlowitsch (1882-1939)
Russe
09.07.1938 verhaftet
25.02.1939 erschossen

– Polonski, Wladimir Iwanowitsch (1893-1937)
Russe
22.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Popow, Nikolai Nikolajewitsch (1893-1937)
Russe
17.06.1937 verhaftet
10.02.1938 erschossen

– Poskrebyschew, Alexander Nikolajewitsch (1891-1965)
Russe
03.01.1965 verstorben

– Pramnek, Eduard Karlowitsch (1898-1938)
Lette
08.05.1938 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Ptucha, Wladimir Wassiljewitsch (1894-1938)
Russe
11.10.1937 verhaftet
25.04.1938 erschossen

– Rosengolz, Arkadi Pawlowitsch (1889-1938)
Jude
07.10.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Rykow, Alexej Iwanowitsch (1881-1938)
Russe
27.02.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Sarkisow, Sarkis Artjomowitsch (1898-1937)
Armenier
07.07.1937 verhaftet
02.09.1937 erschossen

– Sedelnikow, Alexej Iwanowitsch (1894-1938)
Russe
26.06.1937 verhaftet
07.10.1938 erschossen

– Semjonow, Boris Alexandrowitsch (1890-1937)
Russe
08.09.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Serebrowski, Alexander Pawlowitsch (1884-1938)
Russe
23.09.1937 verhaftet
10.02.1938 erschossen

– Smorodin, Pjotr Iwanowitsch (1897-1937)
Russe
22.06.1938 verhaftet
25.02.1939 erschossen

– Sokolnikow, Grigori Jakowlewitsch (1889-1939)
Jude
26.07.1936 verhaftet
30.01.1937 zu 10 Jahren Haft verurteilt
21.05.1939 im Gefängnis ermordet

– Strijewski, Konstantin Konstantinowitsch (1885-1939)
Russe
22.11.1937 verhaftet
21.04.1938 erschossen

– Struppe, Pjotr Iwanowitsch (1889-1937)
Lette
27.06.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Towstucha, Iwan Pawlowitsch (1889-1935)
Russe
09.08.1935 verstorben

– Tomski, Michail Pawlowitsch (1880-1936)
Russe
22.08.1936 Selbstmord

– Tuchatschewski, Michail Nikolajewitsch (1893-1937)
Russe
22.05.1937 verhaftet
12.06.1937 erschossen

– Uborewitsch, Jeronim Petrowitsch (1886-1937)
Litauer
29.05.1937 verhaftet
12.06.1937 erschossen

– Ugarow, Alexander Iwanowitsch (1900-1939)
Russe
20.10.1938 verhaftet
25.02.1939 erschossen

– Unschlicht, Iosif Stanislawowitsch (1879-1938)
Jude
11.06.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Filatow, Nikolai Alexejewitsch (1891-1939)
Russe
02.11.1937 verhaftet
10.03.1939 erschossen

– Schwarz, Isaak Israilewitsch (1879-1951)
Jude
26.10.1951 verstorben

– Schteingardt, Alexander Matwejewitsch (1887 – 1934)
Jude
19.02.1934 verstorben

– Schubrikow, Wladimir Petrowitsch (1895-1937)
Russe
09.08.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Eliawa, Schalwa Surabowitsch (1883-1937)
Georgier
05.1937 verhaftet
03.12.1937 erschossen

– Jurkin, Tichon Alexandrowitsch (1898-1986)
Russe
18.08.1986 verstorben

Anhang 2

Schicksal der Mitglieder und Kandidaten des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rußlands (Bolschewiki), gewählt vom IX. Parteitag (5.4.1920)

Mitglieder des ZK

– Andrejew, Andrej Andrejewitsch (1895-1971)
Russe
05.12.1971 versorben

– Artjom (Sergejew, Fjodor Andrejeweitsch) (1883-1921)
Russe
24.07.1921 verunglückt

– Bucharin, Nikolai Iwanowitsch (1888-1938)
Russe
27.02.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Dzierzynski, Feliks Edmundowitsch (1890-1926)
Pole
20.07.1926 verstorben

– Sinowjew, Grigori Jewsejewitsch (1883-1936)
Jude
16.12.1934 verhaftet
16.01.1935 zu 10 Jahren Haft verurteilt
25.08. 1936 erschossen

– Kalinin, Michail Iwanowitsch (1875-1946)
Russe
15.06.1946 verstorben

– Kamenew, Lew Borisowitsch (1883-1936)
Jude
16.12.1934 verhaftet
16.01.1935 zu 5 Jahren Haft verurteilt
17.07.1935 zu 10 Jahren Haft verurteilt
25.08. 1936 erschossen

– Krestinski, Nikolai Nikolajewitsch (1883-1938)
Ukrainer (?)
29.05.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Lenin, Wladimir Iljitsch (1870-1924)
Russe
21.01.1924 verstorben

– Preobrashenski, Jewgeni Alexejewitsch (1886-1937)
Russe
20.12.1936 verhaftet
13.07.1937 erschossen

– Radek, Karl Berngardowitsch (1885-1939)
Jude
16.09.1936 verhaftet
30.01.1937 zu 10 Jahren Haft verurteilt,
19.05.1939 im Gefängnis ermordet

– Rakowski, Christian Georgijewitsch (1873-1941)
Bulgare
27.01.1935 verhaftet
13.03.1938 zu 20 Jahren Haft verurteilt,
11.09.1941 erschossen

– Rudsutak, Jan Ernestowitsch (1887-1938)
Lette
25.05.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Rykow, Alexej Iwanowitsch (1881-1938)
Russe
27.02.1937 verhaftet
15.03.1938 erschossen

– Serebrjakow, Leonid Petrowitsch (1888-1937)
Russe
17.08.1936 verhaftet
01.02.1937 erschossen

– Smirnow, Iwan Nikititsch (1881-1936)
Russe
14.01.1933 verhaftet
16.04.1933 zu 5 Jahren Haft verurteilt,
25.08.1936 erschossen

– Stalin, Iosif Wissarionowitsch (1879-1953)
Georgier
05.03.1953 verstorben

– Tomski, Michail Pawlowitsch (1880-1936)
Russe
22.08.1936 Selbstmord

– Trotzki, Lew Dawidowtisch (1879-1940)
Jude
21.08.1940 in Mexiko ermordet

Kandidaten des ZK

– Beloborodow, Alexander Georgijewitsch (1891-1938)
Russe
15.08.1936 verhaftet
10.02.1938 erschossen

– Gussew, Sergej Iwanowitsch (1874-1933)
Jude
10.06.1933 verstorben

– Saluzki, Pjotr Antonowitsch (1887-1937)
Russe
09.12.1934 verhaftet
16.01.1935 zu 5 Jahren Haft verurteilt
10.01.1937 erschossen

– Miljutin, Wladimir Pawlowitsch (1884-1937)
Russe
26.07.1937 verhaftet
30.10.1937 erschossen

– Molotow, Wjatscheslaw Michailowitsch (1890-1986)
Russe
08.11.1986 verstorben

– Muranow, Matwej Konstantinowitsch (1873-1959)
Ukrainer
09.12.1959 verstorben

– Nogin, Wiktor Pawlowitsch (1878-1924)
Russe
22.05.1924 verstorben

– Petrowski, Grigori Iwanowitsch (1878-1958)
Ukrainer
10.01.1958 verstorben

– Pjatnizki, Ossip (Iosif) Aronowitsch (1892-1938)
Jude
27.07.1937 verhaftet
29.07.1938 erschossen

– Smilga, Iwar Tenisowitsch (1892-1937)
Lette
01.01.1935 verhaftet
26.03.1935 zu 5 Jahren haft verurteilt
10.01.1937 erschossen

– Stutschka, Pjotr Iwanowitsch (1865-1932)
Lette
25.01.1932 verstorben

– Jaroslawski, Jemeljan Michailowitsch (1878-1943)
Jude
04.12.1943 verstorben